Bayern
Heute Freistaat und größtes Bundesland der Bundesrepublik Deutschland mit sieben Regierungsbezirken (Ober- und Niederbayern, Oberpfalz, Schwaben, Ober-, Mittel- und Unterfranken). Residenz- und Hauptstadt: München. 1890: 5,59 Mio., 2019: ca. 13,08 Mio EW.
Die bayerische Nebenlinie der (nicht regierenden) Herzöge in Bayern aus dem Haus Birkenfeld-Gelnhausen repräsentierte zu Bruckners Zeit Herzog Maximilian Joseph (1808–1888), auch „Zither-Maxl“ genannt. Zu seinen acht Kindern zählen die spätere Kaiserin Elisabeth von Österreich ([1837–1898], Kaiserhaus), Herzog Karl Theodor (1839–1909) und Herzog Maximilian Emanuel, dem Bruckner 1884 auf Anraten von Vinzenz Egon Landgraf zu Fürstenberg das Streichquintett in F-Dur widmete. Karl Theodor verwendete sich etwa Ende Februar 1890 bei Kaiser Franz Joseph I. für Bruckner, und auch seine Tochter Amalie setzte sich tatkräftig für Bruckner ein. Erzherzogin Gisela empfing in Anwesenheit von Herzog Maximilian Emanuel Bruckner Ende Juli/Anfang August 1884 in München in Audienz.
Zahlreiche Aufenthalte Bruckners in Bayern sind dokumentiert (vgl. Reisen Bruckners). So weilte er neunmal in München, u. a. im Mai 1865, als er auf der Reise zur Münchner Aufführung von Richard Wagners Tristan und Isolde an der Grenze zu Bayern mit den Salzburger Behörden in Konflikt geriet, da er nicht die passenden Reisedokumente bei sich trug. Schließlich bürgte Johann Herbeck für Bruckners „kriminelle und politische Unschuld“ (Fremdenblatt 28.5.1865, S. 5), sodass die Fahrt fortgesetzt werden konnte. Nach einem Orgelspiel in Salzburg besuchte er 1856 Burghausen, um dort die neue Orgel der Pfarrkirche St. Jakob kennenzulernen. 1861 reiste er zum Sängerfest in Nürnberg, auf der Heimfahrt kam es zu einem Aufenthalt in Regensburg. 1871 weilte er erneut einige Tage in Nürnberg, bevor er nach London weiterreiste. Auf seiner Schweizerreise machte er 1880 Halt in Oberammergau, wo er das Passionsspiel besuchte.
Bruckner war wiederholt in Bayreuth und traf bei den Bayreuther Festspielen mit vielen Persönlichkeiten zusammen, die ihm zu treuen Freunden und wichtigen Befürwortern wurden, u. a. Franz Fischer, Hans Paul Freiherr von Wolzogen und Hermann Levi. Wolzogen und Levi standen beide mit R. Wagner und Levi zudem mit König Ludwig II. in Verbindung. Levi informierte Bruckner darüber, dass Ludwig II. die Widmung der Siebenten Symphonie sicher annehmen würde und gab ihm den Rat, dass er in seinem Dankschreiben unterwürfige Freundlichkeiten recht großzügig verwenden möge (Briefe I, 850426). Im Mai 1885 legte Bruckner dem bayerischen König seinen „ehrfurchtsvollsten, im tiefsten Herzen gefühlten Dank zu Füßen“, und – stets auf der Suche nach neuen Mäzenen bzw. finanzieller Unterstützung – versäumte es nicht zu beklagen, dass er „außer den vielen Schulstunden am Wiener-Conservatorium, auch noch Privatunterricht in der Musik ertheilen“ müsse, sodass ihm „nur sehr wenige Erholungsstunden zur musikalischen Composition übrig bleiben“. Vermutlich wissend, dass sich der König für Wagners Dramen begeisterte, stellte auch Bruckner in Aussicht, sich „gern der dramatischen Composition“ zuzuwenden (Briefe I, 850508; Kompositionsprojekte).
In den Augsburger Verlagen Böhm & Sohn bzw. Filser sind insgesamt zehn Erstdrucke von Bruckner-Werken erschienen. Seit 1905 fanden zahlreiche Brucknerfeste und -feiern in den bayrischen Städten Ebrach, Bayreuth, München, Ottobeuren, Regensburg und Würzburg statt. 1990 rief der gebürtige Bamberger Gerd Schaller das Festival Ebracher Musiksommer ins Leben, in dessen vielfältigem Programm immer wieder Bruckner-Werke aufgeführt werden. Der Bruckner-Forschung verschrieben haben sich der Würzburger Organist Erwin Horn sowie Franz Scheder aus Nürnberg.
Literatur
- Ludwig Speidel, Das Fest der Zukunftsmusiker in München, in: Fremdenblatt 28.5.1865, S. 5f.
- Göll.-A.August Göllerich/Max Auer, Anton Bruckner. Ein Lebens- und Schaffensbild (Deutsche Musikbücherei 36–39). 4 Bde. (in 9 Teilbänden [1, 2/1–2, 3/1–2, 4/1–4]). Regensburg 1922–1937, unveränd. Nachdruck 1974 3/1, S. 315ff.
- Max Spindler, Handbuch der bayerischen Geschichte. 4 Bde. München 1971–1974
- Briefe IIAndrea Harrandt/Otto Schneider (Hg.), Briefe von, an und über Anton Bruckner. Bd. II. 1887–1896 (NGA XXIV/2). Wien 2003
- Bruckner in MünchenGertrude Quast-Benesch, Anton Bruckner in München. Tutzing 2006, S. 283
- Briefe IAndrea Harrandt/Otto Schneider (Hg.), Briefe von, an und über Anton Bruckner. Bd. I. 1852–1886 (NGA XXIV/1). 2., rev. und verbesserte Aufl. Wien 2009
- ABCD
- Bernhold Schmid/Stephan Hörner, Art. „Bayern“, in: www.musiklexikon.ac.at [14.9.2020]
